Primaten

Immobilisationsverfahren sowie medikamentöse Ruhigstellung beim Gorilla
Die Dissertation stellt eine Retrospektivstudie zu Immobilisationsverfahren sowie zu medikamentöser Ruhigstellung beim Gorilla dar.
Hierfür wurden alle in 29 zoologischen Einrichtungen in Europa vorhandenen medizinischen Daten gesichtet, Aufzeichnungen der ausgewählten Dekade von Juni 1993 bis Mai 2003 quantitativ analysiert und bemerkenswerte Ereignisse des Zeitraumes von 1929 bis 2004, für den insgesamt Unterlagen vorhanden waren, aufgeführt. In 28 dieser Zoos wurde zusätzlich ein Fragebogen zum Thema beantwortet.
Die meisten der 620 Immobilisationen des o. g. Jahrzehnts waren aus Gründen des tiergärtnerischen Managements erforderlich. Die häufigsten chemischen Immobilisationen wurden mit einer Kombination von Ketamin und einem a-Agonisten ausgeführt, wobei die aus Ketamin und Xylazin doppelt so häufig wie die aus Ketamin und Medetomidin verwendet wurde. Am zweithäufigsten wurde Ketamin als Monosubstanz eingesetzt. Wenige weitere Immobilisationen fanden mittels anderer Wirkstoffgruppenkombinationen statt. Nur selten wurde eine Immobilisation durch eine Inhalationsnarkose aufrecht erhalten. Eine Prämedikation erfolgte lediglich bei etwa jeder elften chemischen Immobilisation. 28% der chemischen Immobilisationen wurden antagonisiert. Bei 47,4% aller Immobilisationen waren die Tiere zu diesem Zeitpunkt klinisch gesund. Zwischenfälle traten bei 18 chemischen Immobilisationen auf. Allerdings waren 77,8% der hiervon betroffenen Gorillas krank. Bei drei Patienten endeten diese Zwischenfälle letal.
Psychopharmaka wurden meist zur Stressreduktion und zum Eindämmen pathologischen Verhaltens angewendet. Meist kamen Sedativa, sehr selten Antidepressiva zum Einsatz. Die Gabe von Psychopharmaka war nicht immer erfolgreich.
Die Euthanasie als Spezialindikation der chemischen Immobilisation war sechsmal im o. g. Dezennium dokumentiert.
Aufgrund vorliegender Ergebnisse können Immobilisationen beim Gorilla als sehr sicher bezeichnet werden.
Psychopharmaka sind immer individuell und nach genauer Diagnose anzuwenden.
Bei der Euthanasie eines Gorillas muss nicht nur mit dem betreffenden Individuum tierschutzgerecht umgegangen werden, sondern es sollten auch die seelischen Bedürfnisse der Gruppenmitglieder sowie der betreuenden Menschen berücksichtigt werden.
 
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